5 Fragen: 5 Antworten

Lieber Ralf, warum machst du eigentlich Politik?

Meine Familie war eigentlich nicht politisch ‒ schon gar nicht sozialdemokratisch. Doch die Kontroversen mit meinem Großvater haben mich für Politik begeistert. Auch wenn wir in der Sache uneins waren, haben die lebhaften Diskussionen mein politisches Denken geschult. Ich wollte mehr wissen und entschloss mich später, Politik zu studieren.

 

Die SPD ist die Partei deiner Wahl – warum eigentlich?

Ursprünglich komme ich aus der Pfalz, wo meine Eltern rund um die Uhr in ihrem Gasthof „Zum goldenen Pflug“ schufteten. Trotz der harten Arbeit: Meine Familie hatte nicht viel. In Rheinland-Pfalz gab es 1969 noch keine Lehrmittelfreiheit. Um das Gymnasium zu besuchen, musste ich also auf die andere Rheinseite nach Mannheim, denn das war in Baden-Württemberg. Das habe ich als zutiefst ungerecht empfunden.

Ich denke, dass Ungerechtigkeit – wie Privilegien, die allein auf sozialer Herkunft basieren – und der Wille Gerechtigkeit herzustellen, mich von Anfang an auf meinem politischen Weg begleiten, vielleicht sogar angetrieben haben. Und da fühle mich bei der SPD als Partei der sozialen Gerechtigkeit genau richtig. Übrigens: Im Kreis Pinneberg, genauer gesagt in Rellingen, habe ich einst begonnen, mich kommunalpolitisch zu engagieren. Für mich schließt sich jetzt ein Kreis.

 

Was sind deine wichtigsten Ziele, die du im Deutschen Bundestag für die Menschen erreichen
möchtest?

Erstens: Ich möchte starke Familien und starke Kinder. Dazu gehört kostenfreie Bildung von der Kita bis zum Master oder Meister. Auch digitale Bildung darf übrigens nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen… Um Kinderarmut in diesem reichen Land zu bekämpfen, wollen wir als SPD eine Kindergrundsicherung einführen. Damit Eltern flexibel auf jede Situation reagieren können, setzen wir uns für ausreichende Kinderkrankheitstage ein. Und wir stehen zum Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit.

Zweitens: Ich stehe für einen konsequent sozialen Kurs. Dazu gehört für mich ein Mindestlohn von 12 Euro und eine starke Tarifbindung an Seite der Gewerkschaften – weil es gute Arbeit wert ist. Wohnen darf kein Luxus sein. Deshalb muss die öffentliche Hand stärker in bezahlbaren Wohnraum investieren und auch selbst Wohnungen bauen. Und: ich stehe für ein Gesundheitssystem, in der alle einzahlen, statt einer Zwei-Klassen-Medizin. Eine Erhöhung des Rentenalters lehne ich ab. Übrigens: Kleine und mittlere Einkommen dürfen gerne entlastet werden. Aber Superreiche und Amazon und Co. sollten unbedingt mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen.

Drittens: Zum Klimaschutz gibt es keine Alternative. Die Frage ist aber auch, wie wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten. Statt nur auf Verbote und hohe Preise zu setzen, wollen wir technische Lösungen fördern. Zudem reicht es nicht, Verbote auszusprechen und dafür keine Alternativen anzubieten, z.B. eine flächendeckende Anbindung an Bus und Bahn – auf dem Land und in der Stadt. Der Schutz unseres Klimas muss dazu sozial gerecht stattfinden, das leitet mich. Wenn alles einfach nur teurer wird, ist das keine soziale Lösung.

 

Kannst du etwas über dich persönlich erzählen? Was machst du, wenn du einmal nicht politisch
unterwegs bist?

An erster Stelle steht für mich meine Familie. Mit meiner Frau Sibylle wohne ich seit mehr als 30 Jahren im Norden. Gemeinsam haben wir drei Söhne, auf die wir sehr stolz sind: Fabian, Simon und Tilmann. Wenn mir die Zeit bleibt, widme ich mich meinen Hobbys. Ich bin leidenschaftlicher HSV-Anhänger und gehe mit meinem Verein wirklich durch dick und dünn (momentan wohl eher Letzteres).

Ansonsten lese ich liebend gerne, spiele mit Freude Skat und der Tatort am Sonntag ist für mich Pflicht. Ich nehme übrigens jede Folge auf und meine Sammlung ist sehr beachtlich. Und: Musik darf an keinem Tag fehlen. Da empfehle ich übrigens meinen täglichen Musiktipp bei Facebook. 😉

 

Was kann unsere Gesellschaft aus der Pandemie lernen?

Dass Zusammenhalt ist der Schlüssel für eine lebenswerte Gesellschaft ist. Wenn wir uns unterhaken und füreinander da sind, geht es den Menschen besser. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, Rücksicht auf andere zu nehmen. Unser Land ist stark, wenn wir in der Not füreinander sorgen. Wir sollten Menschen stärken, die anderen helfen: im Beruf, im Ehrenamt oder in der Familie.

Viele Menschen brauchen in dieser belastenden Lage Unterstützung: Kinder, die besondere Förderung beim Lernen benötigen. Menschen, die Besonderes in der Pandemie geleistet haben. Und alle, die besonders betroffen waren, beispielsweise im Handel oder in der Kultur. Ihnen allen müssen wir helfen.

Zusammenhalt ist einfach DER Markenkern der Sozialdemokratie. Wir wollen nicht nur für bestimmte Gruppen in der Gesellschaft Politik machen. Statt zu spalten, möchten wir Menschen zusammenführen, so unterschiedlich sie sind. Das ist gerade in diesen Zeiten die richtige Antwort.